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Hinter den Kulissen einer der größten Verschwörungen der Geschichte
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Shakespeares Fassung von Julius Caesar ist weit mehr als die theatralische Ausschlachtung des vielleicht größten politischen Attentats der Weltgeschichte: Es ist vielmehr eine Auseinandersetzung mit den Fragen der Moral, Ehre und persönlichen Loyalität.
Caesar selbst tritt im Stück nur zweimal auf, und hat dabei auch nicht viel Sprechzeit. Der entscheidende dramatische Kniff des Stückes ist, dass es alleine aus der Sicht der "Täter" erzählt. Zuerst die Entwicklung der Verschwörung, dann der Höhepunkt im Senat, und schliesslich die Flucht der Verschwörer aus Rom.

Dabei steht jeder der Verschwörer für eine eigene Moralvorstellung: Im Gegensatz zu dem Bild, was die Weltgeschichte heute von ihm zeichnet, ist Brutus hier ein Mann, der nur das gute für die Republik will, und bereit ist, seine Ehre und guten Ruf, und schlussendlich auch sein Leben zu opfern, um einen Tyrannen loszuwerden. Schnell wird er zur Marionette des Hauptverschwörers Markus Antonius, der alleine von Machthunger getrieben wird.

Die erste Hälfte des Stückes, in dem sich die einzelnen Facetten der Verschwörung entfalten, ist sowohl vom Spannungsaufbau, wie auch von der Atmosphäre meisterlich. Man braucht fast keine Bühne, um die Bilder vor sich zu sehen: Mitternächtliche Treffen in den verregneten Gassen Roms, hastiges Austauschen der entscheidenden Informationen und schliesslich Brutus´ Schlaflosigkeit in der Nacht vor dem Anschlag sind so mitreissend und packend beschrieben, dass man die ersten zwei Akte wie am Schnürchen herunterliest.
Die aufgebaute Spannung verliert sich leider mit dem zweiten Teil: Die Flucht der Verschwörer aus Rom und ihr Versteckspiel vor den römischen Behörden und dem erzürnten Pöbel wird schnell unübersichtlich. Die letzten beiden Akte spielen sich ausschliessich "Auf einem Feld" ab, die Zahl der auftretenden Personen schwillt plötzlich stark an, und die Dialoge, die oftmals mehr als drei Personen einbeziehen werden schnell ermüdend.

Trotzdem gehören weite Teile des Stückes zu dem intensivsten, das ich jemals in einem Theaterstück gelesen habe. Jede Figur ist nachvollziehbar und sorgfältig herausgearbeitet und der Leser befindet sich buchstäblich hinter den Kulissen der Geschichte. Man kann sich ein weiteres Mal vor Shakespeares Genie verbeugen.
Eine Rezension von Polygraph >
vom 28. Dezember 2006
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